Dinge, die mich die Erkenntnis über die eigene Hochsensibilität gelehrt hat

11 Dinge, die mir mit der eigenen Hochsensibilität klar wurden

In letzter Zeit wird immer öfter über die Hochsensibilität bei Menschen gesprochen. Das erste Mal als ich von diesem Begriff erfuhr, war ich 26 und stand kurz vor meinem Studienabschluss. Ich plante mit meinem Bruder und seiner Freundin einen Urlaub zu dritt. Mein Bruder neckte mich (wie er es schon immer gern tat) und sagte: „Komm mit, das wird ein Therapie-Urlaub für dich“:-). Ich muss jetzt noch darüber schmunzeln, denn zugegeben war es tatsächlich wie eine Therapie für mich, mit einem Menschen umgeben zu sein, der im Gegensatz zu mir einen „klaren Blick“ auf die Realität hat und Herausforderungen mit einer gesunden Portion Menschenverstand löst. Mein Leben war dagegen ein vollkommenes Chaos. So, wie meine Innenwelt.

 

Über die Sehnsucht, meine Berufung zu finden

 

Ich fühlte mich anders. Nicht zugehörig. Unverstanden. Und ich hatte eine riesen Angst vor meiner Zukunft. Denn mein Studium nahte dem Ende zu und die Frage nach dem richtigen Beruf wurde immer lauter. Während mir alle einredeten, „ich solle mich nicht so anstellen“ und mir zu verstehen gaben, dass es keinen anderen, als den konventionellen Weg für mich gab, wurde meine Angst, ein halbes Leben mit einer Arbeit zu verbringen, die mich unglücklich macht, innerlich auslaugt und am Ende des Monats nicht einmal mit dem angemessenen Lohn entschädigt, immer größer. Denn das war der Weg meiner Mutter, vor dem ich heute großen Respekt habe. Und ich bin ihr dankbar, dass ich durch sie erkennen konnte, was ich nicht wollte und damit einen anderen Weg einschlagen konnte.

 

Aus diesem Grund begleitete mich das Thema Berufung schon ein Leben lang. Ich glaubte daran, dass da draußen diese Berufung auf mich wartete. Auch, wenn ich keinen Plan hatte, was ich überhaupt machen wollte und wie mein Traumberuf aussehen sollte. Ich hatte oft das Gefühl als wäre da etwas „größeres“, das entdeckt und gelebt werden will. Es fühlte sich wie eine starke Sehnsucht an, die die meiste Zeit auf unterschwellige Weise hinter meinem Brustkorb loderte und mit weiteren Gefühlen, wie Unsicherheit, Angst, Trauer und Melancholie – aber auch mit großer Hoffnung verbunden war. Ich brannte sehnlichst darauf, zu verstehen, warum ich so fühlte und was mir diese Gefühle sagen wollten. Denn klar war, dass ich anders fühlte.

 

Aus dem Wunsch, mich selbst endlich zu verstehen, entwickelte sich eine Leidenschaft. Und alles in meinem Leben schien sich nur um diese eine Aufgabe zu drehen: Dieses „Größere“, worauf meine Sehnsucht ein Leben lang hindeutete, in der Realität endlich zu entdecken und zu leben.

 

Und dann erfuhr ich, dass ich hochsensibel bin

 

Als es endlich soweit war und ich mein Studium abgeschlossen hatte, ergab sich in all meiner Frustration bei der Jobsuche überraschenderweise die Möglichkeit, an einem Coaching zur Berufsorientierung teilzunehmen. Wie ich dazu kam, erzähle ich hier. Ich traf dort auf Menschen, die mir Raum gaben, das zu sein, was ich war. Die mich nicht ablehnten für das, was ich fühlte und was ich glaubte. Die mich für meine Ängste nicht verurteilten, sondern mir mit wohlwollendem Verständnis entgegenkamen und mir die Freiheit gaben, all meine Sehnsüchte, Ängste, Wünsche und Vorstellungen zu äußern ohne dafür verurteilt zu werden. So erfuhr ich, dass ich hochsensibel bin – und doch nicht verrückt:-)! Eine tiefe Heilung auf allen Ebenen konnte stattfinden. Und ich entwickelte Mut, das, was ich in mir schon immer ablehnte, anzunehmen und sogar zu entfalten. Meine eigene Verletzlichkeit. 

 

Hochsensibilität

 

11 Dinge, die mir mit der Erkenntnis über die eigene Hochsensibilität klar wurden

 

  1. Die Sehnsucht, meine Berufung zu finden, war in Wahrheit die Sehnsucht, MICH SELBST zu finden. Und das konnte nur geschehen, indem ich mich jemandem zu 100 % öffnete. Bevor wir also herausfinden können, was unsere Berufung ist, müssen wir herausfinden, wer WIR wirklich sind. Dann kommt der richtige Beruf „von allein“.
  2. Wir brauchen das Gefühl von Zugehörigkeit. Auch, wenn wir für eine Zeit lang glauben, als Einzelkämpfer besser dran zu sein und aus unserem Gefühl „allein zu sein“ auch irgendwie eine gewisse „Kraft“ schöpfen – früher oder später werden wir bemerken: Wir brauchen das Gefühl von Zugehörigkeit. Denn das ist die Basis für die Entwicklung eines gesunden Selbstwerts, Selbstakzeptanz und der eigenen Authentizität.
  3. Echte Zugehörigkeit können wir nur erfahren, wenn wir mutig genug sind, uns „nackt“ zu zeigen. Ich hatte das Glück, einem Menschen begegnen zu können, vor dem ich mich so zeigen konnte, wie ich war (vergoß dabei literweise Tränen) – und die Belohnung dafür war: Ich erkannte, dass ich sogar in meinen tiefsten Ängsten und Sehnsüchten nicht allein war.
  4. Negative Erfahrungen sind dazu da, um zu erkennen, was wir nicht wollen. Ich habe keine Angst mehr davor, den falschen Beruf zu finden oder eine „falsche“ Entscheidung zu treffen. Denn das, was sich für uns falsch anfühlt, zeigt uns, was nicht unsere Wahrheit ist – und bringt uns dem näher, was wir wirklich wollen.
  5. Falsche Entscheidungen gibt es nicht. Ohne falsche Entscheidungen könnten wir nie erfahren, was wir im Leben wirklich wollen. Ich finde, jede Entscheidung führt zu einer Erfahrung, die unser Leben im Grunde genommen ein Stückchen reicher macht – auch, wenn dies ein Verlust ist. Der Verlust meines Vaters war eine sehr schmerzhafte Erfahrung. Doch sie hat mich auch viel über das Leben gelehrt, wofür ich dankbar bin und woraus ich heute schöpfen kann.
  6. Vertraue deinem Gefühl. Es ist richtig. Kennst du diese subtilen, „negativen“ Gefühls-Signale, die manchmal in einer Begegnung, in einer Konversation oder allgemein vor einer Entscheidung kurz aufkommen? Das ist unsere Intuition. Ich ignorierte sie oft und am Ende dachte ich jedes Mal: „Wieso habe ich nicht auf mein Gefühl gehört?!“ Vertraue auf dein Gefühl, wenn es sich nicht gut anfühlt – und wähle dann einen anderen Weg. Den, der sich gut anfühlt.
  7. Traue dich, dich zu zeigen, wie du bist. Uch, davon könnte ich ein Lied singen. Von meinen besten Freunden: Den Zweifeln….Aber ich sage dir was: Sie führen zu nichts. Sie bringen dich überhaupt nicht weiter. Du kannst also gleich damit beginnen, das zu tun, wonach dein Herz verlangt. Denn deine Zweifel stehlen nur deine kostbare Zeit auf Erden. Vergesse jedoch hier nicht, Folgendes abzuwägen: Kommen diese Zweifel aus Angst, das zu tun, was du wirklich willst? Oder kommen sie zu einem Zeitpunkt, in dem auch tatsächlich gesunde Skepsis angebracht ist? Wenn es Letzteres ist, dann sind die Zweifel auch gut und angebracht. Eine völlige Auslöschung jeglicher Zweifel sollte also nicht unser Ziel sein. Vielmehr sollten wir abwägen, woher sie kommen und wovor sie uns eigentlich schützen wollen.
  8. Verletzlichkeit und Angreifbarkeit ist keine Schwäche. Da kommen wir wieder zu den altbekannten Konventionen: Gefühle zu zeigen sei eine Schwäche. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Gefühle zu zeigen erfordert großen Mut und die Überwindung unserer tiefsten Ängste. Nämlich der Angst vor Verlust und vor Ablehnung. Verletzlichkeit ist letztendlich auch der einzige Weg zu wahrer Authentizität. Letzten Endes hat jeder Mensch Gefühle, Ängste, Sehnsüchte und seine kleinen Geheimnisse. Wenn wir erkennen, dass wir nicht alleine sind, gibt uns das auch Mut, uns verletzlich zu zeigen. (Wenn du mehr zu dem Thema Verletzlichkeit erfahren willst, möchte ich dir das Buch von Brene Brown „Verletzlichkeit macht stark“ ans Herz legen.)
  9. Es ist OK, seinen eigenen Weg zu gehen – jenseits der Norm. Ja, es ist OK, NICHT die Erwartungen der anderen zu erfüllen, sondern in erster Linie auf seine eigenen Bedürfnisse zu achten. Wir müssen uns nicht an die „Anderen“ anpassen und einen ähnlichen Weg gehen, nur aus Angst, ausgestoßen zu werden. Das „Schlimmste“;-), was passieren kann, wenn wir unseren eigenen Weg gehen, ist: Selbstliebe und wahre Zugehörigkeit zu entwickeln. Denn das „Ausgestoßen-Sein“, vor dem wir so sehr Angst haben, erleben wir bereits in dem Moment, in dem wir versuchen, uns anzupassen.
  10. Selbstakzeptanz lernen wir am besten, indem wir lernen, andere zu akzeptieren. Dadurch, dass ich mich von anderen immer unverstanden fühlte, entwickelte ich einen Drang, mich beweisen und Ernst genommen werden zu wollen. Damit war mein Blick stets auf mich selbst gerichtet und ich bezog das, was andere taten und sagten, auf mich selbst. So entsteht ein Teufelskreis. Wir können aber aus diesem Kreis ausbrechen, indem wir den Blick von uns selbst abwenden und die anderen so nehmen, wie sie sind. Dann erkennen wir erst, dass das Verhalten anderer etwas mit ihrem Verhalten zu tun hat, statt mit uns. Und wir nehmen den anderen mit seinem Verhalten und seinen Macken an. Und wir entdecken, dass mit uns alles OK ist – und dass es das all die Zeit war.
  11. Du bist mehr als deine Hochsensibilität. Auch, wenn ich mich mit dem Ansatz der Hochsensibilität identifizieren kann, bezeichne ich mich nicht gern als Hochsensible, weil wir mehr als das sind. Ein Intellektueller ist mehr als sein Intellekt und ein Romantiker ist mehr als seine romantische Wahrnehmung. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir trotz all unserer Fähigkeiten, Eigenschaften und Gemeinsamkeiten mit anderen, dennoch einzigartig sind und unsere Umwelt auf eine einzigartige Weise wahrnehmen. Meine Welt allein durch Hochsensibilität zu definieren wäre, als würde ich einen Elefanten in einen Mäusekäfig stecken wollen. Das Zitat von Pema Chödrön beschreibt das, was wir wirklich sind, wohl am besten:-):

 

You are the Sky. Everything else – it´s just the weather.

 

Wie gehst du mit deiner Hochsensibilität um? Wie hast du es erfahren und was hat sich seit dem in deinem Leben geändert? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar oder tritt doch auch gleich meiner Facebook-Gruppe bei, wo wir uns mehr zu dem und vielen weiteren Themen austauschen können:-)!

 

Marta

PS: Möchtest du mehr zum Thema Hochsensibilität erfahren – und wie du sie als Stärke erkennen kannst?

In meinem Youtube Video gehe ich noch vertiefter darauf ein und teile mit dir meine persönliche Geschichte!

Ich freue mich, wenn du meinen Kanal abonnierst:-)!

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