Umgang mit der Machtlosigkeit

Die Botschaft der Machtlosigkeit: Wenn man dem Schmerz der eigenen Mutter hilflos ausgeliefert ist

Heute ist wohl der Tag gekommen, an dem ich darüber schreiben werde. Das Thema liegt mir schon seit sicherlich mehr als 10 Jahren auf dem Herzen. Doch es war zu akut. Zu präsent. Zu schmerzhaft, um darüber zu schreiben. Nicht, dass es heute nicht immer noch schmerzhaft wäre – das Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht ist wohl eines der schmerzhaftesten Gefühle, die man haben kann. Und wir haben sie – besonders dann, wenn ein geliebter Mensch krank ist; wenn wir helfen wollen und einfach nicht können. Dieses Gefühl trage ich wohl schon seit mehr als 10 Jahren mit mir unterschwellig herum. Denn mindestens so lange leidet meine Mutter an einer Trigeminus Neuralgie. Es heißt, nur einer von 100.000 Menschen soll an dieser leiden. Dabei handelt es sich um blitzartig auftretende, stechende Gesichtsschmerzen, die so stark und unberechenbar sind, dass sie bei vielen Menschen zu Selbstmord Gedanken führen. Eine garantierte Heilungsmethode hat man noch nicht entdeckt…

Warum schreibe ich ausgerechnet heute darüber? Zum einen sind in mir durch die ganze Corona Krise generell sehr viele Themen „hochgeploppt“, an denen ich all die letzten Wochen intensiv arbeiten durfte. Zum anderen hat der Schmerz meiner Mutter heute wohl wieder mal seinen Höhepunkt erreicht. Als ich sie in Kroatien anrief, um zu fragen, wie es ihr geht, ging ihr Partner ans Telefon, um mir mitzuteilen, dass sie gerade nicht sprechen könne. Es hätte sie wieder ziemlich hart erwischt und der Notdienst sei zwei Mal vorbeigekommen, um ihr Schmerzmittel zu injizieren. (Meine Mutter lebt seit 3 Jahren in Kroatien mit ihrem Partner. Es war ihr tiefster Wunsch wieder zurückzuziehen, nachdem sie in Deutschland ganze 25 Jahre in der Altenpflege arbeitete – Krankheit und existenzielle Sorgen standen seitdem bei uns an der Tagesordnung.)

Ich freute mich riesig für sie, als sie endlich den mutigen Entschluss fasste, ihrer Sehnsucht nachzukommen – und, sich wieder mit ihrer alten Liebe zu vereinen, die seit 12 Jahren auf sie in Kroatien gewartet hat. Doch bevor sie „bereit füreinander“ waren, hatte meine Mutter wohl noch einige Lektionen mit „anderen Sorten“ von Männern hier in ihrem irdischen Leben zu bewältigen. (Nichts gegen Männer – es gibt auch Frauen, die ihre unverarbeiteten Wunden an ihren Männern rauslassen) Das meine ich nicht einmal aus einer Ironie heraus. Nein, ich glaube fest, dass sich jede Seele ihre Erfahrungen  ausgesucht hat bevor sie auf die Erde kam. Mag sein, dass dies für manche abgehoben klingen mag, doch was ist falsch daran, an eine Sache zu glauben, die einem in tiefster Dunkelheit ein wenig Frieden bringt?

Wie wir mit der Machtlosigkeit umgehen können

Nein, ich möchte keineswegs diesen abgrundtiefen Schmerz, den ein Mensch durch Krankheit oder durch die Krankheit seiner Liebsten erfahren kann, kleinreden. Und ich habe auch sicherlich nicht das Geheimrezept gefunden, wie man den Gefühlen der damit verbundenen Ohnmacht ein für alle Mal einen Strich durch die Rechnung ziehen kann. Das sollte auch nicht das Ziel sein. Doch ich habe in all den Jahren, in denen ich mit meiner eigenen Ohnmacht zu kämpfen hatte, eine Sichtweise entdeckt, dir mir ein wenig Erleichterung schenkt. Und diese möchte ich auch an Dich weitergeben:

Was, wenn sich manche Seelen dazu entschieden haben, jene dunklen Erfahrungen zu machen, weil sie uns so sehr lieben? Was wenn wir vor unserem irdischen Leben „Verträge“ abgeschlossen haben, dass wir uns gegenseitig so manche Dinge „antun“ werden, damit wir aus diesen lernen können? Was, wenn die Lektion der Machtlosigkeit darin besteht, zu lernen wie wir loslassen? – zu lernen, dass manche Dinge im Leben nun einmal einfach nicht in unserer Macht liegen – und dass dies auch völlig ok ist? Was, wenn der Sinn unseres Erdendaseins einfach nur darin besteht, Erfahrungen zu sammeln, durch die unser kollektives Bewusstsein wachsen und sich in eine Richtung entwickeln kann, die bereits in der Bibel als Himmelreich auf Erden beschrieben wurde? Was, wenn es unsere kollektive Aufgabe ist, als Seelengemeinschaft auf dieser Erde bestimmte Erfahrungen zu machen – ganz besonders die dunklen – damit wir uns durch diese selbst erkennen können?

Was, wenn der Sinn der Dunkelheit darin liegt, zu erkennen, dass wir das Licht sind? 

Ich danke meiner lieben Mentorin dafür, dass sie mir in einer meiner dunkelsten Zeiten liebevoll die Geschichte von Neale Donald Walsch „Ich bin das Licht“ am Telefon vorlas, um mich wieder daran zu erinnern, weshalb wir hier sind.

Wir alle werden gerade auf eine für alle von uns spezifische Weise mit der Ohnmacht konfrontiert. Die einen, weil sie ihren Job verloren haben. Die anderen, weil sie am Abgrund ihrer Existenz stehen. Und wieder die anderen, weil sie ihren erkrankten Liebsten nicht zu helfen wissen. Die Zeit des Corona Virus hat uns alle mehr oder minder in eine machtlose Situation geführt – oder aber auch in uns eine frühere, unbewältigte Ohnmacht wiedererweckt – damit wir uns mit dieser wieder bewusst auseinandersetzen können (und, damit wir dadurch wieder glücklicher auf das Leben schauen können).

Was, wenn es unsere kollektive Aufgabe ist, nun zu lernen, wie man loslässt?

…die Dinge zu akzeptieren, die wir nicht ändern können. Und damit aber auch wieder zu unserem tiefsten Urvertrauen wiederzufinden – dem Vertrauen zu Gott? (Ich bin nicht religiös, doch ich persönlich stimme mit dem Wort „Gott“ als Definition des Allumfassenden am meisten überein. Du darfst es so nennen, wie es sich für Dich am stimmigsten anfühlt.)

Ich finde, das Thema Loslassen wird in einer leistungsgetriebenen Gesellschaft wie der unseren immer noch viel zu stark unterbewertet. Viele haben zwar angefangen, sich aktiv mit diesem Thema zu befassen. Denn sie fangen an, diesen inneren Druck, der ihnen auf den Schultern liegt, allmählich zu hinterfragen. Und das ist auch gut so. Auch ich habe seit langem angefangen, den subtilen Druck, der von außen kam, in mir zu hinterfragen und nach innerer Freiheit zu streben. Manche mögen es Rebellion nennen. Ich nenne es das Wieder-Erlernen meiner wahren Natur und das Wieder-in-Einklang-Treten mit meiner Seele. 

Denn unsere Seelen sind frei. Sie waren es schon immer: frei und vollkommen. Und sie werden uns immer daran erinnern – an unsere Natur, unsere Freiheit und Vollkommenheit, die wir in Wahrheit sind –  an die FREUDE – ja so lange und hartnäckig, dass sie uns sogar durch körperlichen Schmerz daran erinnern werden, sofern wir nicht auf sie hören.

Höre auf Deine eigene Wahrheit – Folge dem Ruf Deiner Seele

In vielen spirituellen Ansätzen wird uns beigebracht, dass wir selbst für unsere Erfahrungen verantwortlich sind und eigentlich vollumfänglich selbstbestimmte Wesen sind. Das mag bis zu einem gewissen Grad auch wahr sein. Jedoch finde ich, dass wir, selbst, wenn jene Ansätze von noch so vielen Menschen befolgt und wenn jene Ansätze von noch so klugen und erfolgreichen Menschen kommen – sollten wir immer auch unsere eigene Wahrheit befragen – unseren EIGENEN Erfahrungsschatz.

Meine Wahrheit ist, wir sind nicht für alle unsere Erfahrungen selbst verantwortlich.

Ja, wir können unsere Sichtweise auf so manche Situationen ändern und dadurch auch unsere Gefühle in einer gewissen Weise steuern. In diesem Maße haben wir in der Tat Kontrolle über die Dinge, die uns widerfahren. Doch manche Erfahrungen gehen einfach nun einmal so tief, dass man sie nicht immer einfach so „wegdenken“ kann, indem man sich auf das Gute fokussiert. Wie zum Beispiel, wenn die eigene Mutter krank ist. Jahrelang habe ich versucht, allein der Freude und den freudvollen Gedanken zu folgen. Dem Schmerz keinen Glauben zu schenken – und die schmerzvolle Realität „wegzufühlen“, indem ich meine Gefühle durch positivere Gedanken versuchte umzuwandeln. Dies hat mir auch tatsächlich zu einem glücklicheren Leben verholfen. Doch nur bis zu einem gewissen Grad. Bis zu jenem Grad, an dem es darauf ankam, nun meiner eigenen Wahrheit zu vertrauen.

Ich habe dabei sehr viele (spirituelle) Bücher zum Thema „Selbstermächtigung“ gelesen und viele von ihnen sind auch ganz wundervolle Lehrer und Lehrerinnen. Positive Affirmationen, Meditation, Spiegelarbeit und all diese Methoden sind ganz wundervolle und heilsame Techniken, die zu mehr Erfüllung und Selbstliebe führen können. Doch all jene Methoden können uns immer nur eine Tür zeigen – durch sie hindurch schreiten müssen wir immer selbst. Und wie wir das tun, damit es für uns am besten ist, kann uns kein Buch und kein Lehrer verraten. Dieser Schritt liegt in unserer eigenen Macht. In dieser Hinsicht sind wir, ja, durchaus machtvoll und selbstbestimmt.

 

Die Botschaft der Machtlosigkeit

 

Hole Dir Deine Macht zurück!

Mein persönlicher Schritt liegt nun darin, noch mehr loszulassen und dem göttlichen Plan nicht mehr länger im Wege zu stehen mit meinen Versuchen, die Dinge, die ich nicht ändern kann, zu kontrollieren. Und die Krankheit meiner Mutter – sie gehört zu den Dingen, die ich nicht kontrollieren kann. Es ist nicht meine Aufgabe, „falsche Verantwortung“ dafür zu übernehmen, indem ich mich schlecht fühle. Ich helfe weder mir noch ihr damit. Das einzige, was wir für unsere Liebsten tun können, wenn es ihnen schlecht geht, ist, in Liebe mit uns selbst und ihnen zu sein. Ihnen alles zu vergeben, was es zu vergeben gibt. Und uns selbst zu vergeben. Denn wenn wir auf uns auf eine Art unsere Macht wiederholen können, dann auf die, indem wir in Liebe sind. 

Mögest Du in Liebe sein mit Dir selbst und mit Deinen Nächsten. Denn wir wissen niemals, wann es einen von uns treffen wird. Auch, wenn dies hart klingen mag, so ist es eine Wahrheit, die für uns alle gilt. Wir können so manche Geschehnisse nicht kontrollieren. Doch wir können sie dafür nutzen, um unser Licht wieder zu erkennen und es ganz hell strahlen zu lassen für jene, die in der Dunkelheit stehen.

Mögest Du, wundervolle Seele, Dich selbst erkennen und in Deinem Licht erstrahlen – egal wie dunkel es um Dich herum gerade sein mag. Du bist nicht allein. Niemals.

In LICHT und LIEBE,

Marta

 

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Quelle Beitragsbild:

Canva Pro

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