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Du darfst dein Handy auch mal zu Hause lassen

Gastbeitrag von Vincent K.

Marc Aurel sagte: „Man muss mit seinen Gedanken nur bei dem sein, was gerade jetzt zu tun ist“. Heute sind wir überall gleichzeitig. Unser „zweites Gehirn“- wie es manche bezeichnen – kann alles. Lieblingsmusik spielen, Termine & Einkaufsliste verwalten, Fotografieren, allen Freunden schreiben, liken, googeln, mich heimwärts lotsen lassen. Die Liste ist endlos. Wieso sollte ich das „Smartphone“ zu Hause lassen? Darauf verzichten? Fühle ich mich dann nicht nackt und hilflos? Was, wenn die beste Freundin mich spontan auf einen Kaffee treffen möchte? Was, wenn ich beim Shoppen kurz den Preis bei Amazon gegenchecken möchte? Was, wenn mich jetzt jemand braucht? Wenn ich
jemanden brauche?

In der U-Bahn beobachte ich folgende Szene: Ein Teenager spielt an seinem Smartphone. Dann schaltet er das Gerät aus und legt es zurück in seine Tasche. In diesem Moment schaue ich auf meine Armbanduhr (mein Handy ist zu Hause) und folge dem Sekundenzeiger. Bereits nach 30 Sekunden ist es so weit. Der Teenager greift wie ferngesteuert in die Tasche und schaltet das Handy wieder an. Dieses Schauspiel wiederholt sich immer wieder. Wie wäre es für ihn, wenn er sein Handeln selbst im Spiegel sehen könnte? Würde er schmunzeln, wie ich es in diesem Moment tue? Andere verzichten gleich komplett auf das Weglegen. Das Handy bleibt auch bei Nichtnutzung stets in der Hand liegend. Wie eine Fernbedienung, die ich steuere: die mich steuert.

Wie vieles Gutes ist auch meine Handyabstinenz in der Krise entstanden. Krise ist Chance. Damals habe ich meiner „Traumfrau“ Nachrichten geschrieben und anschließend jede Sekunde auf Antwort gewartet. Das war zermürbend. In der Arbeit konnte ich mich nicht mehr so recht konzentrieren, bis ich die Entscheidung traf: Das Handy bleibt zu Hause! Die „Traumfrau“ ist nun Schall und Rauch. Nur mein Handy-Detox habe ich Schritt für Schritt ausgebaut.

Natürlich gab es auch Tage, an denen ich heim kam und in der Tat eine Freundin mit mir spontan einen Kaffee trinken gehen wollte. Und dann war es bereits zu spät. Ärgerlich! Nur, wenn ich etwas erhalte, muss ich einen Preis dafür zahlen. Das gilt in beide Richtungen. Ich bin bereit, diesen Preis zu zahlen. Warum?

Heute sitze ich mit einem Buch sowie einer Tasse Tee im Zug und fahre gegen Süden in die Berge. Ich genieße den Fokus auf eine Sache. Oder ich schaue aus dem Fenster und lasse den Blick über die Landschaft, die Natur, die Häuser und Menschen schweifen. Auch meine Gedanken schweifen. In diesen Momenten – ohne Ablenkung – kommen mir die besten. Was steht in meinem Leben an? Welche Entscheidungen muss ich treffen? Wen möchte ich mal wieder kontaktieren? Jene Momente, in denen ich meine fünf Sinne wieder 100% einsetze, sind für mich unersetzlich geworden. Das ist wahre Freiheit. Pure Lebensqualität.

Vielen lieben Dank an Dich Marta. Ich wünsche euch viele tolle Erfahrungen beim Ausprobieren und
erfolgreichen digitalen Detoxen!

 

Bild von Avi Chomotovski auf Pixabay
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