Hochsensibilität im Job

Hochsensibilität im Beruf: Wie mir meine Angst half, mich selbst zu befreien

Alles, was ich jemals wollte, war ein Beruf, in dem ich Ich sein kann…

 

Meine Kreativität scheint wieder in eine ihrer Hochformen zurückgekommen zu sein. Hallelujah! Schon lange ist es mir nicht mehr passiert, dass ich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die Inspiration für einen neuen Blogbeitrag hatte. Nachdem ich mich gestern schon so ausführlich mit dem Thema „Spiritualität“ befasst habe, um ein für alle mal auch von meiner Seite aus Aufklärung zu schaffen und um die ein oder anderen Vorurteile beiseite zu räumen, bewegte es mich heute morgen dazu, über Hochsensibilität zu schreiben.

Eigentlich sollte dies ein aufklärender Beitrag für jene sein, die mit dem Begriff der Hochsensibilität nichts anzufangen wussten. Aber wie es mein Inneres wieder einmal so wollte, intervenierte es wieder einmal mitten im Schreiben und bewegte mich in eine ganz andere Richtung^^. Nun handelt der Beitrag von meiner persönlichen Geschichte, wie mich die eigene Hochsensibilität im Berufsleben beeinflusste, wie ich eine „Angststörung“ entwickelte und wie mich diese letztendlich dazu antrieb (und befreite), die zu sein, die ich wirklich bin. (Eigentlich dachte ich, noch gar nicht bereit zu sein, um darüber zu schreiben – aber scheinbar bin ich es heute nun doch – „Juhuuuu!“)

Doch, um die anschließenden Zeilen nun nicht ganz zu verändern und an das „neue“ von meiner Seele aufgeforderte Thema anzupassen, lasse ich noch folgende Anmerkung stehen, die in den folgenden Artikel einführt:

Dies soll ein eher aufklärender Beitrag sein für jene, die vielleicht noch nichts mit diesem Begriff  anfangen können und die mit der Hochsensibilität zwar irgendwie resonieren, jedoch nicht so ganz wissen, wie sie ihre Hochsensibilität einordnen sollen. Schließlich wollen wir doch alle alles irgendwie bei Namen nennen und bestimmte Themen in bestimmte Schubladen zuordnen können. Wir fühlen uns sicherer dadurch und haben das Gefühl, innere Ordnung geschafft zu haben. Nein, das meine ich jetzt nicht sarkastisch;-) Auch ich nenne gerne die Dinge bei Namen und schätze die heilende Wirkung, welche dies mit sich zieht.

Von den höchsten Höhen bis in die Abgrundtiefe

So war es nämlich bei mir, als mir 2018 meine Coachin (die ich im Rahmen eines Berufsneuorientierungs-Coachings, an welchem ich nach meinem Studium teilnahm, kennenlernte) vermittelte, dass ich hochsensibel sei. Es tat SO gut, endlich eine Erklärung dafür zu haben, wieso mir mein Leben immer so fuckin‘ schwer erschien und ich immer nur am Kämpfen war, während andere scheinbar schon von Anfang an ein festes Ziel vor Augen hatten und ganz linear und ehrgeizig ihrem Weg folgten. (So kam es mir zumindest oft vor) Natürlich gab es da auch Menschen, die genauso Probleme hatten und ihr Päckchen zu tragen hatten, jedoch hatte ich nie so wirklich das Gefühl, dass irgendjemand die Gefühle, die ich hatte, mit mir teilte. Ich fühlte mich also die meiste Zeit meines Weges allein. Nach außen hin konnte ich das sehr gut verstecken – das war wohl meine Stärke – denn obwohl ich ein introvertierter Mensch bin, der viel Ruhe und die Zeit zum Alleinsein braucht, um Kraft zu schöpfen, war ich in Gesellschaft immer sehr aufgeschlossen, rede-freudig und gut drauf. Nicht, dass ich das nur vorspielt hätte…

ich meine jetzt zu verstehen, weshalb mir manche nachsagten, dass ich ein Mensch der Extreme sei – nach dem Motto:

„Von einem Extrem ins Andere“

Ja dieser Mensch war ich definitiv. Und genauso schwankend wie ich nach außen war, so wenig war ich auch innerlich in meiner Mitte. Dennoch hatte ich nur durch diese Erfahrung, so oft durch zwei gegensätzliche Extreme zu gehen, die Möglichkeit, meine eigene, wahre Mitte zu finden. Beharrlichkeit, Bodenständigkeit und Vernunft gehörten überhaupt nicht zu meinen Stärken. Ich war immer ungeduldig, sprunghaft und schwebte irgendwo da oben in geistigen Sphären, nur um wenige Zeit später wieder so richtig auf den Boden zu knallen, wo ich dann eine Weile erstmal mit dem Kopf drinsteckte^^ (man stelle sich die zappelnden Beine vor, die aus dem Asphalt nach oben ragen, haha) Ich war und wollte eben nie „Realistin“ sein – auch wenn das aus meiner heutigen Sicht etwas anderes bedeutet –  die sich an nichts anderem als am Sichtbaren und an Zahlen, Daten und Fakten orientiert. Das schien mir immer zu langweilig. Und so stieß ich oft mit meinen Gefühls-Träumereien und Visionen auf jene Akten-Sortierer-Realisten, die mich augenblicklich aus meinem inneren Himmel herunterkrachen ließen. Danach brauchte ich oft einige Tage, um mich von den neuen Zweifeln an meiner Wahrnehmung, die mir durch jene Gespräche eingetrichtert worden waren, zu erholen und wieder zu mir zu kommen – d.h. wieder zurück in meinen Himmel, in dem ich war, bevor ich mich auf jenes „Gut-gemeinte-Beratungsgespräch“ einließ.

Du fragst Dich, was ich mit einem Gut-gemeintem-Beratungsgespräch meine^^?

Wir alle haben doch so einen Menschen in unserem Umfeld, bei dem wir nur den Kopf vor lauter fremder Unvernunft schütteln könnten. Fällt dir da eine*r ein? … Ich glaube, dieser Mensch war wohl ich für viele in ihrem Umfeld…So fühlte ich mich zumindest oft. Denn nicht umsonst stieß ich auch häufig auf Menschen, die mir ihren ungefragten Rat austeilten und die zu ihrem Bedauern damit auf Granit stießen.  Denn die Sache ist die: Auch, wenn ich (und ich meine damit, auch für viele andere Hochsensible zu sprechen) für viele wohl den Eindruck machte, verloren zu sein und meinen Platz nicht gefunden zu haben, so wollte etwas tief in mir diesen Platz eigentlich auch gar nicht finden.

Um ehrlich zu sein: Ein Teil von mir genoss es heimlich, durch diese Höhen und Tiefen zu gehen – das Leben in seiner tiefen Freude und dem Schmerz zu fühlen. Und obwohl ich mich so sehr nach dem sehnte, was ich in meinem Leben nie hatte: nämlich Sicherheit – verabscheute ich sie gleichzeitig, da ich mich vor einem belanglosen „Sparbuch & Bauvertrag-Leben“ ohne Dramen und Überraschungen insgeheim fürchtete. Schließlich kannte ich das nicht. Und so weigerte ich mich auch innerlich, jeglichen „realistischen“ Rat anzunehmen, der mir zu einem sichereren und beständigeren Leben verholfen hätte. Wie zum Beispiel die Annahme eines 9 to 5 Jobs in einem belanglosen Konzern, wo es für den Rest meines Lebens die einzig wichtige Aufgabe sein sollte, jemanden noch reicher zu machen, als er oder sie es bereits ist. Nein. Vielen Dank.

Der Kampf mit dem inneren Widerstand

Je öfter ich an diese für mich grausame Vorstellung dachte, den Großteil meines Lebens in einem monotonen Job zu verbringen, der mir zwar finanzielle Sicherheit, jedoch keinen emotionalen Mehrwert und Möglichkeit zur Entfaltung gab – und je mehr ich mich mit dem Ende meines Studiums dieser scheinbar unvermeidbaren Pflicht näherte – desto mehr baute sich in mir ein heftiger Widerstand auf, der die natürliche Energie, die durch mich fließen wollte, mit der Kraft eines gewaltigen Staudammes immer mehr zum Stillstand brachte. Je näher das Ende meiner Freiheit und der Entfaltung meines Selbst drohte, desto mehr trocknete ich innerlich aus. Ich erstarrte in Angst vor der Zukunft…die sich mit dem Beginn meines Studiums 2013 in 5 Jahren und mit jeder weiteren Berufserfahrung, die ich sammelte, immer mehr aufbaute, mich inmitten meiner höchsten Freuden einholte und mich mit der autoritären Macht meines internalisierten „Akten-Sortierer-Realisten“ auf den Boden der schmerzhaften Tatsachen brachte.

Es war ein grauenvoller Kampf. Der Kampf mit der eigenen Angst vorm Selbst-Verlust. Denn genauso erlebte ich meine Arbeitsverhältnisse oft: Als Verlust meines wahren Selbst. Denn das patriarchale System, das immer noch in viel zu vielen Unternehmen herrscht, begünstigt das Gefühl der Unterdrückung, welches gerade für sensible Menschen, deren wichtigsten Werte oft Freiheit und Authentizität sind, besonders vernichtend ist.

Doch da ist noch etwas anderes, was diese Angst des Selbst-Verlustes und der Angst vor Unterdrückung begünstigt – nicht immer – und eigentlich eher selten sind die Anderen schuld: schuld ist – wenn man es überhaupt Schuld nennen kann – unsere fehlende Selbst-Akzeptanz, das Vertrauen in die eigenen Gefühle, die eigene Wahrnehmung sowie in die eigenen individuellen Bedürfnisse. Denn solange wir uns selbst nicht in unserer Einzigartigkeit und Individualität annehmen und solange wir unseren Gefühlen und unserer Intuition nicht vertrauen, werden wir auch nicht vertrauen können, dass es noch einen anderen Weg für uns gibt – der zu unserer Natur besser passt – und in dem wir, ja sogar aufblühen und uns zugehörig fühlen können.

Bis zu meinem 27 Lebensjahr konnte ich mich selbst nicht annehmen in meiner Art, anders zu denken und zu fühlen. Stattdessen „peitschte“ ich mich innerlich aus und zwang mich dazu, mich Umständen anzupassen, die in keinster Weise das Erblühen meines Seins förderten oder gar erst möglich machten. War es Selbsthass? Ja…es war wohl definitiv eine Form des Selbsthasses. Aber es war auch mein internalisierter Unterdrücker, der die sanfte und weisende Stimme meines Herzens bevormundete und der mit den Jahren einen Großteil meines Seins eroberte. Und so fand ich mich immer und immer wieder in leidvollen Situationen wieder – da ich nicht auf mein weises Herz hörte, sondern aus der Not heraus Entscheidungen aus der Angst traf. Doch Unterstützung kam rechtzeitig. 

 

 

Hochsensibilität im Beruf

 

Als ich mir erlaubte, meinem Herzen zu folgen…

Die Unterstützung von der ich oben sprach, waren – um noch genauer zu sein – zwei Coaches, die ich im Rahmen meines Berufs-Coachings kennenlernte und die mich über 6 Monate auf meiner Jobsuche begleitet hatten. Sie und er waren Verbündete. Endlich traf ich jemanden, der und die mich aus der Tiefe ihrer Seele zu sehen und zu verstehen schienen. Es war, als wenn meine Bitten erhört wurden. „Schau, ich mache es so: Ich arbeite 3 Tage die Woche in einer Firma – und die restlichen 2 Werktage arbeite ich selbstständig mit dem, was mir Freude bereitet!“ „Sei nicht so hart zu Dir – niemand zwingt Dich, diesen Weg zu gehen – Du darfst und hast das Recht, ihn Dir selbst zu gestalten.“…

Ja, so ungefähr verliefen unsere zahlreichen Gespräche, die ich als wahren Segen empfand. Ich hatte wohl tatsächlich eine Erlaubnis gebraucht, um endlich meinen Weg zu gehen. Und überhaupt: kam ich all die Jahre tatsächlich überhaupt nicht auf die Idee, dass man es auch so gestalten könnte! Meine Angst stand einfach viel zu sehr im Vordergrund und tötete jegliche innovativen Ideen ab, noch bevor sie mich überhaupt erreichen konnten.

Mit einem gefühlt 100 kg leichterem Herzen ging ich also auf Jobsuche und fand eine Stelle als Content Marketing Managerin bei einem Event-Veranstalter, genau nach meinem Geschmack: Gestalterische Freiheiten, schnelle Entscheidungswege, Selbstständigkeit, Vertrauen und Menschlichkeit. In diesem Umfeld ließ sich die 9 to 5 Woche sogar noch angenehm überstehen. Doch festsetzen wollte ich mich trotzdem noch nicht. Denn da war noch ein Teil von mir, der leben wollte. Nämlich dieser Teil. Der intuitive, spirituelle, wilde, tiefe und unbeschwerte Teil.

Der tiefste Teil meiner Seele schien zu erwachen und sich erheben zu wollen! Und je länger ich ihm dies nicht erlaubte und weiterhin meiner 9 to 5 Arbeit nachging, desto lauter wurden seine Schreie nach Freiheit! Desto schmerzvoller wurde der Widerstand, mit dem sie, meine Seele, versuchte die erbaute Ego-Mauer aus Angst und Unterdrückung zu durchbrechen! Das Leben in mir wollte endlich seinen wilden Tanz ausführen und auch seine spirituellen, ja auch verrückten und seltsamen Facetten zum Ausdruck bringen! Ich hielt den Widerstand nicht länger aus.

Ich musste meine Stunden reduzieren.

Der Wunsch, endlich in Teilzeit zu arbeiten, um Zeit zu gewinnen, meinem Seelen-Wunsch nachzugehen, wuchs in mir mehrere Monate heran. Wieder einmal fühlte ich mich wie eine geschüttelte Sektflasche, deren Korken, der endlich herausplatzen wollte, nur noch von seiner Sicherung zurückgehalten wurde. Die Sicherung war in diesem Fall meine Angst vor der Reaktion des Arbeitgebers. „Schließlich kam ich erst frisch aus dem Studium – was glaubte ich eigentlich, wer ich bin, um „jetzt schon“ in Teilzeit zu arbeiten“ (ermahnte mich immer wieder der kleine Teufel auf meiner Schulter) Aber ich tat es. Dem Teufel und dem inneren Unterdrücker zum Trotz! Da hatte mein Trotz wohl doch noch eine sinnvolle Bestimmung:-)!

Der Schritt in den Seelen-Weg

Mit der freundlichen und verständnisvollen Zusage meines deshalb rar-empfundenen Chefs, machte ich mich triumphierend an meine Seelen-Arbeit ran: Im November 2019 baute ich Voninnenheraus auf, um das Tor zu eröffnen, vor dem meine Gefühle, die alle endlich zu Wort kommen wollten, bereits Schlange standen! Daneben baute ich meine Texter-Seite auf, um meine Dienstleistungen als freie Content Marketing Managerin und Texterin anzubieten. Im Dezember meldete ich endlich meine Freiberuflichkeit an und gewann meine erste Kund*innen. Und im Mai 2020 – was sich verwunderlicherweise ziemlich unspektakulär anfühlte – meldete ich mein Gewerbe an.

…und dann kam Corona und ließ doch alles bisschen anders ausgehen als erhofft…doch das soll kein Hindernis sein, auch, wenn es sich in den letzten Monaten oft so anfühlte.

Meinen größten Gewinn und höchsten Erfolg – auch, wenn dieser nicht finanzieller Natur ist – habe ich bereits erreicht: Ich traue mich endlich, meine Wahrheit zu leben. Das ist, was ich immer wollte, und wonach sich mein Herz mein Leben lange sehnte: Einfach nur, Ich zu sein und Wege zu finden, es angstfrei auszudrücken. Mehr wollte ich eigentlich nie. Ich wollte immer nur jene Angst besiegen, die mich davor abhielt, meine Flügel auszubreiten. Und auch, wenn ich ihr immer noch ab und zu begegne, ist sie bei weitem nicht so lähmend, wie sie es früher war.

Dafür bin ich am meisten dankbar. Denn ich weiß nun, dass jetzt kommen kann, was kommen wolle – es wird mich nicht so leicht zerstören. Ich werde mich wehren können. Ich werde „Nein“ sagen können. Ich werde gehen können. Ich werde mir die Erlaubnis geben zu gehen. Es gibt Unterstützung für mich und für uns alle, die uns manchmal allein auf unserem Weg fühlen. Ich weiß, ich bin nicht allein. Ich weiß, ich bin zugehörig. Wir werden geliebt und von unserem Inneren geführt – wenn wir uns nur darauf einlassen. Und je mehr wir uns trauen, wir selbst zu sein, desto mehr wird es sich Anfangs vielleicht schmerzhaft und nach Trennung anfühlen. Doch desto mehr werden wir wahre Zugehörigkeit und Festigkeit in unserem eigenen Herzen erfahren.

Und je mehr Zugehörigkeit und Festigkeit wir in unserem eigenen Herzen erfahren, desto mehr beschenkt uns das Leben mit Ereignissen und Menschen, die sind wie wir. Und ein völlig neues Umfeld wird sich für uns entfalten. Neue Möglichkeiten, die wir uns niemals erträumt hätten, werden sich offenbaren. Neue und tiefe Verbindungen mit Menschen werden entstehen. Die Liebe wächst. Ein neues Verständnis für sich selbst und für den Rest der Welt erwächst wie eine tief verwurzelte Blüte aus dem Herzen heraus und untermauert Deinen Glauben, der nun wächst auf fruchtbarem und beständigem Boden.

 

Lasse Dich von Deiner Seele führen Richtung Sonnenaufgang entgegen den Wellen der See und mit jeder Welle wirst Du unerschütterlicher sein gegen die Stürme des Lebens.

 

In Liebe,

Marta

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Quelle Beitragsbild:

Canva Pro

 

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