Der Tanz mit den Zweifeln: Über die Angst sich zu zeigen

„What if I fall?“ – „Oh but my darling, what if you fly?“ – Erin Hanson

 

Kennst Du dieses Gefühl? Du spürst, dass da etwas in dir ist, das ausgelebt werden möchte – ein in dir schlummerndes Potential, dass wie ein loderndes Feuer in dir brennt. Du sehnst dich danach, diesem Potential endlich Ausdruck zu verleihen – deine eigenen Fähigkeiten endlich voll und ganz auszuleben, deine eigenen Möglichkeiten zu erfahren und DICH SELBST endlich voll zu leben. … Wenn da nicht diese überwältigende Angst wäre, dich zu zeigen, wie du bist. Es ist die Angst sich in seiner vollen Größe zu zeigen, nicht richtig zu sein, so wie man ist, sich angreifbar zu machen und die Konsequenzen davon nicht ertragen zu können. Kennst du diese Angst? Ich kenne sie sehr gut. Sie ist ein Teil von mir. Auch heute noch.

Was die Angst sich zu zeigen mit uns macht

Schon als Kinder wurde uns gesagt, dass Eigenlob stinkt. Man dürfe nie seine eigenen Erfolge zeigen – und wenn, dann bitte bescheiden und bloß nicht zu selbstbewusst – denn damit könnten wir auf Ablehnung stoßen. Zu groß ist die Angst ausgestoßen zu werden und nicht mehr dazuzugehören. Wir alle brauchen ein Gefühl von Zugehörigkeit. Dieses Gefühl scheint uns so wichtig, dass wir dafür sogar unsere Authentizität aufgeben und uns lieber anpassen. Das mussten wir schließlich bereits als Kinder, als uns gesagt wurde, dass wir uns selbst klein halten sollen. Und haben wir dann jenes „Schein-Zugehörigkeitsgefühl“ durch jahrelange Anpassung erreicht, ist es auch verständlich, dass es uns schwer fällt, dieses aufzugeben.

Allein der Gedanke daran, dass diese Anpassungsstrategie, die uns beigebracht wurde, eventuell doch nicht richtig sein könnte, weil sie uns nicht zu dem Glück führt, wie erhofft, löst bereits die drohenden Angstgedanken aus: „Was könnten die anderen von mir denken?„, „Ich möchte niemanden enttäuschen!„, „Was, wenn andere das komisch finden, was ich da tue?„, „Was, wenn ich mich lächerlich mache und ausgelacht werde?„, „Was, wenn ich mein Gesicht verliere?!“ … „Nein. Ich tue es nicht.“ Diese Zweifel überwältigen uns so sehr, dass sie uns buchstäblich zum Erstarren führen. Wenn wir einmal springen, können wir schließlich nie wieder zurück. Ist dieses eine Buch oder dieser eine Artikel einmal veröffentlicht, haben wir keine Kontrolle mehr darüber, was die anderen von uns denken. Verharren wir im Schweigen, können wir zumindest dafür sorgen, dass die anderen nichts über uns denken – glauben wir. … Was bleibt, ist die Enttäuschung über uns selbst, wieder einmal nicht über den eigenen Schatten gesprungen zu sein.

So oft standen wir schon an der Kante zum Abgrund und haben nicht an die Reißleinen unseres Fallschirms geglaubt, obwohl es unser größter Wunsch war, Fallschirm zu springen. Und so können Jahre um Jahre vergehen bis wir eines Tages reuevoll bemerken, dass wir unser ganzes Leben damit zugebracht haben zu zweifeln, statt unsere Träume zu leben. Manchmal dachte ich mir, vielleicht wäre ich wo anders, wenn mich meine Zweifel nicht so oft in meinen Entscheidungen gebremst hätten. Vielleicht wäre ich schon längst an meinem Ziel angelangt, wäre schon viel weiter als jetzt. Aber was bringt es, so zu denken? Denn letztendlich geht es gar nicht darum, so schnell wie möglich am Ziel anzulangen, sondern darum, zu lernen und zu wachsen – um den Weg selbst. Und macht sich etwa ein Schmetterling darüber sorgen, wie er hätte besser aus seinem Kokon herauswachsen können?

Warum du mit deinen Zweifeln tanzen solltest

Ich habe entschieden, nicht mehr länger auf den Tag zu warten bis meine Zweifel ein für alle mal ausgelöscht sind. Denn dieser Tag wird womöglich niemals kommen. Zweifel gehören eben auch wie die Freude und die Trauer zum Mensch sein dazu. Deshalb sollten wir vielmehr einen Weg finden, mit diesen Gefühlen zu tanzen, wenn sie aufkommen, statt sie gänzlich abzulehnen. Wenn du schon einmal zum Tanzen aufgefordert wurdest, obwohl dir überhaupt nicht danach war, dann kennst du wahrscheinlich auch dieses Gefühl von Widerstand und Scham, wenn der Tanzende in seiner ganzen Euphorie es nicht aufgibt und an dir so lange herum zieht bis alle Blicke sowieso schon auf dich gerichtet sind, als würden sie dir schweigend mitteilten, dass du dich doch nicht so anstellen sollst. Erinnerst du dich noch an so einen Moment?

Zweifel sind wie diese Tanzenden. Je mehr sie sich uns nähern, desto bedrohlicher erscheinen sie und lassen uns das Schlimmste befürchten: auf die Tanzfläche gehen zu müssen. Statt sie jedoch abzulehnen und wie gewohnt in Widerstand zu versinken, können wir uns auch auf sie einlassen und wir werden sehen, dass es gar nicht so schlimm war. Oder wir können sie zumindest soweit zufriedenstellen, dass wir ihnen Aufmerksamkeit schenken, sie nicht einfach so stehen lassen, sondern aufstehen, uns von ihnen zu einer Drehung verführen lassen und dann aber gekonnt mit einem Abgang zum Buffet verbinden. Auch Zweifel wollen einfach nur beachtet und angenommen werden als das, was sie sind: als ein vorübergehender Zustand, der ein Teil von uns ist.

Mit diesem Beispiel möchte ich nicht zeigen, dass man das eigene „Nein“ ignorieren sollte. Aber was, wenn das eigene „Nein“ auf uns selbst gerichtet ist? Denn genau das ist es, wenn wir an uns selbst zweifeln: wir sagen „Nein“ zu uns selbst, „Nein“ zu unserem eigenen Wachstum, „Nein“ zu unserer Existenz in diesem Augenblick – WENN wir sitzen bleiben und im Widerstand versinken. Deshalb finde einen Weg, mit deinen Zweifeln zu tanzen. Sie gehören zum Leben dazu. Nehme deine Zweifel einfach wahr, wenn sie da sind. Aber lasse dich nicht von ihnen klein kriegen! Denn das passiert, wenn die drohenden Stimmen die einzigen sind, die in unserem Kopf verbleiben. Hole noch eine weitere Stimme hinzu – einen bewussten Schlichter, der sagt: „Alles wird gut, ich kann das und so schlimm ist es nicht.“ Oder richte deine Gedanken einfach nicht mehr auf den Tanzenden, sondern auf das Buffet, das dich erwartet – auf das Ziel, das du dir mit der Erfüllung deines Wunsches erhoffst. Und so werden auch die Zweifel wieder verschwinden.

Warum Du dich zeigen solltest

Das Warum kannst Du dir an dieser Stelle wohl am besten selbst beantworten. Ich finde aber, dass Authentizität der Schlüssel zum wahren Glück ist. Denn glücklich sind wir erst dann, wenn unsere Gefühle und Gedanken mit unserem Handeln im Einklang stehen. Wenn du den tiefen Wunsch hast, deine Fähigkeiten in die Welt zu tragen und dein volles Potential auszuleben und auf der anderen Seite jedoch 100 Gründe hast, es nicht zu tun, dann fühlst du dich auch mit größter Wahrscheinlichkeit nicht glücklich und im Einklang mit dir selbst. Oft sehnen wir uns nach etwas und haben nicht den Mut oder die Zuversicht, uns dieser Sehnsucht hinzugeben. Ich weiß zu gut, wie das ist und ich habe mich deshalb lange innerlich zerrissen gefühlt. Mein Herz wollte das eine, doch mein Verstand und all die vielen Stimmen in meinem Kopf sagten das andere. Letzten Endes solltest du dir nur diese eine Frage beantworten:

  • Könntest du dich damit abfinden und es ertragen, dich dein Leben lang nicht zu zeigen?

Um welchen Traum es auch immer geht: Könntest du ihn aufgeben und dich damit zufrieden geben, wenn er nicht in Erfüllung geht?Wahrscheinlich spürst Du auf diese Frage ein ganz lautes und protestierendes NEIN, sonst würdest du diesen Artikel gar nicht soweit lesen. In diesem Fall solltest Du es tun und gar nicht mehr lange darüber nachdenken. Schreibe dieses Buch! Mache mit bei diesem einen Auftritt! Mache diese Reise! Oder veröffentliche diesen Blog:-)! Was auch immer es ist. Tue, was dein Herz dir sagt. Denn ehe du dich versiehst, sind die Jahre vergangen und den ein oder anderen wird vielleicht klar, dass es all die Zeit um nichts anderes als um die Erfahrung ging und darum, aus ihr das Beste zu machen.

Es liegt an dir, was du aus deinem Leben machst. Es ist DEIN Leben und du hast es in der Hand. Und was, wenn die Ängste nur da sind oder waren, um uns zu prüfen, ob wir es wirklich ernst meinen? Warte deshalb nicht darauf bis du deine Ängste überwunden hast. Finde vielmehr einen Weg sie besser kennen zu lernen und sie als einen Teil von dir zu sehen, der nicht unbedingt deine Schwäche sein muss, sondern Dein Kompagnon, der dich stets antreibt, über ihn hinauszuwachsen.

Ich hoffe, dass ich dir damit einen kleinen Ruck geben konnte es zu tun, wonach auch immer dein Herz sich sehnt! Und wenn du noch mehr über den Umgang mit Zweifeln bzw. den Urteilen über sich selbst lesen möchtest, dann könnte dich auch dieser Artikel interessieren: „Du bist zu sprunghaft.“ – Warum das deine Stärke ist und wie du mit Urteilen umgehen kannst. Ich wünsche Dir viel Freude beim Lesen!

Marta

 

 

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