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Warum Sprunghaftigkeit deine Stärke ist

Wenn ich mich zurück erinnere, spüre ich noch heute den Nachgeschmack dieses Urteils in meinem Herzen: Du bist zu sprunghaft.“ Diesen Satz durfte ich mir so oft anhören. Nicht ohne Grund: Ich war immer voller neuer Ideen über meine Traumjobs, die ich jedes Mal ganz begeistert meinen Freundinnen oder meiner Familie mitteilte. Von Meeresbiologin und Schauspielerin bis hin zur Goldschmiedin und Designerin wollte ich alles werden:-).

Wenn mich eine Idee packte, dann sah ich bereits mein gesamtes Leben vor mir und nur auf diese eine Idee ausgerichtet. Mir gefielen die Vorstellungen über die Person, die ich in diesen Rollen gespielt hätte. Und mir gefiel das Gefühl von Freiheit, das ich auf diese Vorstellungen projizierte. Jedes Mal aber, wenn ich sie umsetzen wollte, stellte sich mir die Frage nach dem „Wie“, was meine anfängliche Euphorie wieder in Frust verwandelte. Und dann kam aber wieder eine neue Inspiration, eine neue Idee, die sogar besser zu sein schien und noch besser zu mir passte – und meine Begeisterung stieg wieder von Neuem an.

…Ja, so sah ein Bruchteil meiner inneren Suche nach Verwirklichung aus. Ich war mir bewusst, dass meine Art, wie sie nun einmal war, nicht dem gesellschaftlichen Vorbild einer „ehrgeizigen, entschlossenen und disziplinierten“ Frau entsprach, weshalb ich mich selbst oft kritisierte und nicht annehmen konnte, wie ich war. Meine Ideen fühlten sich jedes Mal wie eine Rettung an, weil ich meine Selbstzweifel und meine Angst, wie es beruflich für mich weitergehen sollte, dadurch für eine bestimmte Zeit vergessen konnte. Aber so hoch ich manchmal flog, so tief fiel ich auch wieder zu Boden. Und ich sah wieder die eiskalte Realität vor mir.

Nun kannst Du dir vorstellen, wie schmerzhaft es für mich war, obendrein auch noch als sprunghaft bezeichnet zu werden – was meinen negativen Glauben über mich selbst und mein Bild von der gnadenlosen Realität nur noch bestätigte.

Dann kam die Wende: Warum die Sprunghaftigkeit genau meine Stärke war

Mit der Zeit erkannte ich aber, dass die vielen Ängste, die ich hatte, nie Realität wurden. Es stimmte nicht, dass ich keinen Job mehr bekam, wie mir prophezeit wurde, nur, weil ich 5 verschiedene bereits in meinem Lebenslauf hatte. Nicht alle Arbeitgeber waren so gestimmt zu denken, dass nur eine „beständige“ Laufbahn (wenn es so eine überhaupt gibt) von guten Mitarbeitern zeuge. Viele lobten sogar genau diese Vielseitigkeit und sahen es als Stärke. Und auch in anderen Dingen empfand ich nichts unehrliches oder falsches daran, seine Meinung einfach mal zu ändern. Das zeugt für mich nicht von Unentschlossenheit, sondern von Bereitschaft zu Veränderung und Wachstum.

Es ist OK, wenn wir unsere Meinung verändern. Wenn wir morgen nicht mehr denken, was wir gestern dachten. Wenn uns eine Erfahrung gezeigt hat, dass es doch etwas anderes war, wonach wir suchten und wir die Chance ergreifen, nun den neu entdeckten Koordinaten zu folgen. Denn auch unsere inneren Koordinaten bleiben nie beständig. Unsere innere Wahrheit ist meines Empfindens nach kein statisches Ziel, sondern der Weg selbst. Wir können unsere Wahrheit nicht erreichen. Denn das ist, als ob wir unsere Authentizität erreichen wollen würden. Authentisch zu sein bedeutet aber nicht, es einmal zu erreichen und dann nie wieder an sich selbst weiter arbeiten zu müssen. Sondern authentisch zu sein in allem, was man tut und von diesem Weg nicht durch Ängste oder Zweifel „abzukommen“ – sich aus seiner eigenen Freiheit nicht wieder zurück in den Käfig zu verbannen.

Meinungen sind nun einmal verschieden. Und wir werden es nie allen Recht machen können, selbst wenn wir es tun und uns noch so sehr opfern. Was deshalb am Ende wirklich zählt, ist unsere eigene Meinung. Und auch, wenn die Urteile der anderen ihre eigenen Meinungen widerspiegeln – können sie sie uns aber durchaus auf etwas Wichtiges hinweisen: Nämlich auf unsere Überzeugungen von uns selbst – die es gilt zu ändern, wenn sie uns nicht glücklich machen.

Wie Du also mit Urteilen umgehen kannst

So oft heißt es, wir müssten aufhören zu urteilen; wir besäßen nicht das Recht dazu, über andere zu richten; wir sollten andere annehmen, wie sie sind – erst vor unserer eigenen Tür den Staub kehren. Dagegen habe ich natürlich nichts einzuwenden. Und ich glaube du genauso wenig. Aber ich finde, dass sich dadurch schon allein der unschuldige Begriff „Urteilen“ mit einer Negativität aufgeladen hat, obwohl das Urteilen an sich, wie ich an meinem Beispiel gezeigt habe, etwas durchaus Positives beinhalten kann:

Die Urteile über uns selbst sowie die der anderen, können unsere eigenen falschen Überzeugungen widerspiegeln und machen uns so auf die Stellen in unseren Herzen aufmerksam, die angenommen werden wollen. Ohne diesen „Negativ-Kontrast“ könnten wir schließlich diese Stellen gar nicht erkennen und wir hätten keine Gelegenheit, über sie hinauszuwachsen. Findest du nicht auch?

Solange ich davon überzeugt war, dass Sprunghaftigkeit – gerade bei Frauen – etwas Falsches und Inakzeptables ist, würden mich auch die Urteile der anderen weiterhin verletzen. Und: Ich würde wohl auch selbst diejenigen verurteilen. Heute sehe ich in dieser Eigenschaft etwas Positives – nämlich das Sammeln von vielseitigen Erfahrungen in einem relativ kurzen Zeitraum. Denn genau das ist, was Sprunghaftigkeit im Grunde genommen ist. Solltest du also die Erfahrung gemacht haben, verurteilt worden zu sein, oder die Angst haben, verurteilt zu werden, dann erinnere dich immer, dir die folgenden Fragen zu stellen:

  • Auf welche innere Überzeugung bzw. Ängste weist mich dieses Urteil oder diese Bewertung hin?
  • Kann ich etwas davon lernen?

Denn genau darauf kommt es meiner Meinung nach hier an. Uns selbst in den anderen zu erkennen. Dieses Zitat von Ram Dass hat mich in dieser Sache sehr zum Nachdenken gebracht: „We´re all just walking each other home.

Doch zum Glück müssen wir nicht immer auf die Urteile der anderen oder auf unser eigenes Urteil warten, um die Überzeugungen über uns selbst zu erkennen, mit denen wir uns selbst im Weg stehen. Denn das können wir auch so:-) z.B. durch Journaling oder bewusste Selbstreflektion. Wenn du dabei Unterstützung brauchst, habe ich hier 101 Fragen vorbereitet, die dich in deiner Selbstreflektion voranbringen können.

Viel Spaß dabei!

Marta

 

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