Young, wild and free – Was wir von Kindern lernen dürfen

Gastbeitrag von Samuel

 

I really nike you

Ist dir das auch schon aufgefallen? Du läufst durch die Fußgängerzone und im Minutentakt siehst du diese hippen T-Shirts und Jute-Beutel. Darauf prangt in großen Lettern „Just do it!“. Kurz und knackig. Und mit einem Haken versehen. Als wäre es schon von der To-Do List abgehakt worden. Ich spreche vom legendären Nike-Zeichen.

Stellt dir einmal bildlich vor: wie viele Millionen Botschafter fürs „einfach machen“ über unseren Globus steppen. Was glaubst du, wer trägt sowas aus Style Gründen? Nach dem Motto: „Ich trage Nike – gib mir ein Like.“ Doch für wen ist diese Klamotte eigentlich Lifestyle, Lebenseinstellung – und Message?

Menschenskinder, das waren Zeiten

Dreh doch einmal die Zeit zurück. Erinnerst du dich noch an deine Kindheit? Als du noch unbekümmerter als heute warst. Wo es schnuppe war, wenn Eiscreme an den Mundwinkeln. Oder die Hosen aufgewetzt. In Bäche springen, auf Bäume klettern, freihändig radeln. Einfach so. Risiko? Konsequenzen? Kann warten. Zu groß war die Neugier und der Kitzel es zu probieren. Äußerst kreativ, fokussiert und stressfrei. Das waren wir damals.

Unser Antrieb ständig Neues zu entdecken weckte uns schon am frühen Morgen. Der Gedanke an die Seilbahn. Ans 3-Meter-Brett. Brachte Vorfreude auf den bevorstehenden Tag. Und ja – wir hatten Energie. Für zwei, oder mehr. Wir waren Meister im Energieverbrauch. Nichts wurde halbherzig erledigt oder unversucht gelassen. Auch bei Platzregen auf dem Boltzplatz. Es wurde so lange gespielt, bis es dunkel wurde. Oder Mama zum dritten Mal zum Abendbrot aufforderte. Diese Momente, wenn man keinerlei Zeitgefühl mehr besitzt – waren damals Standard. Wir waren mittendrin im Augenblick. Mal verbissen, mal genussvoll, aber hinterher – immer happy. Und wenn wir dann mal schliefen – taten wir es mit Hingabe. Im Kinderwagen, im Auto – in der Schule. Ob vom Pausengong oder Mama. Wenn wir wach wurden – war der Akku wieder prall gefüllt.

 

 

„Als Kind ist jeder ein Künstler, die Herausforderung liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“

Pablo Picasso

 

 

In meiner Straße waren wir ein eingeschworener Haufen junger Bengels. Echte Macher, die umsetzten, was sie sich vornahmen. Immer wieder aufs Neue. Wir haben uns angestachelt, motiviert, getröstet – und vor allem gefeiert. „Mutproben“ waren unser täglich Brot. Wer seinen Schwarm vor den anderen ansprach – dem war Ehre sicher. Wer auf das Baustellengerüst kletterte, bekam den Respekt der anderen. Wer sich „Klingelputze“ traute – war für einen Tag ein Held. Natürlich, war nicht alles moralisch korrekt. Aber wir machten einfach. Wir hatten Mut. Wir sprangen öfter über unseren Schatten. Und ich öfter mal daneben.

 

 

Glück trotz Unglück

Da ich meist der Jüngste war, wollte ich es natürlich den älteren erst recht beweisen. Ich saß fast jede Woche im Wartezimmer. Die Sprechstundenhilfen kannten mein Geburtsdatum auswendig. Mein Hausarzt wollte keine Krankenkassenkarte mehr sehen. Sie sagten nur: „Unser Unglücksjunge schon wieder.“ Wobei ich mir gar nicht so vorkam. Sondern eher wie Russell Crowe in „Gladiator“. Der vom Kampf gezeichnet nach Hause kam. Stolz präsentierte ich allen meine Wunden aus der Schlacht. Meine Augen leuchteten, wenn ich meine Heldengeschichten erzählte. Weil ich mich getraut hatte. Weil ich denselben Mumm hatte wie die großen Jungs. Weil ich meinen inneren Widerstand gebrochen hatte. Jede Schramme war eine Anerkennung, jede Narbe eine Erinnerung – es jederzeit wieder zu tun.

 

 

„Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“

Pippi Langstrumpf

 

 

Sei nicht kindisch

Kennst du Sprüche wie diese? „Trödel nicht so! Sei nicht albern! Werd mal erwachsen! Dafür bist du schon viel zu alt! Du bist wirklich naiv und blauäugig! Das ist purer Leichtsinn, was du da machst! Das Leben ist kein Ponyhof! Du bist aber neugierig, kümmer dich um deinen Kram! Das ist doch Kindergarten! Mach was Vernünftiges, sei nicht so stur! Schalt mal dein Hirn ein! Mach was Anständiges.“

Ist doch wirklich seltsam oder?! Sobald wir erwachsen sind, werden sämtliche Eigenschaften aus der Kindheit als Schwäche abgestempelt. All das, was uns als Kinder ausgezeichnet hat – ist überholt und nicht mehr zeitgemäß. Wir werden von Eltern, Geschwistern, Lehrern, Kollegen und Chefs dezent darauf hingewiesen: Verabschiede dich bitte von deiner Kindheit! Systematisch werden wir auf den Ernst des Lebens vorbereitet. Auf die raue Arbeitswelt. Wir werden so lange abgehärtet, bis wir funktionieren – und in die uns zugedachte Rolle passen.

Rationalität verdrängt ganz schleichend unsere kindliche Intuition. Aus Bauklötzchen-Turm wird Wolkenkratzer. Kopf schlägt Herz. Aus Spieltrieb wird Zugeknüpftheit. Aus Bauch-Entscheidung wird Kalkulation. Aus Capri-Sonne wird Büro-Sekt. Aus Leichtigkeit entsteht mit der Zeit Erfolgsdruck. Visionäre machen Trikottausch mit Dienst-nach-Vorschrift-Mitarbeitern. Hüpfburgen werden zu Komfortzonen. Aus Kissenschlacht wird Mobbing am Arbeitsplatz. Sukzessive mutieren Pioniere zu Kopien. Echte Macher von damals schauen nur noch zu. Wie es die anderen so machen.

Safety first

Als Erwachsene werden und sind wir kontrolliert. Auf Sicherheit bedacht. Alles was wir uns aufgebaut haben, soll bitte so bleiben. Wir schalten in den Verwaltungsmodus. Die Bewertung von anderen wird uns zunehmend wichtiger. Uns – da nehme ich mich nicht raus – liegt sehr viel daran, bei anderen gut anzukommen. Anstatt das zu tun, nachdem uns gerade ist. Auf das wir wirklich Bock hätten. Was Neues zu wagen und vielleicht anders zu sein.

 

„Vergiss niemals: Die Menschen, die Buh rufen, stehen nie auf dem Feld.

Sie haben sich Tickets zum Zuschauen gekauft.“

Gary Vaynerchuck, amerikanischer Multiunternehmer

 

Die erfolgreichsten Menschen dieser Erde sind nicht unbedingt erfolgreich geworden, weil sie alles so gemacht haben wie die breite Masse. Sie heben sich von der Norm ab. Sie besitzen gesundes Selbstbewusstsein und stehen hinter ihren Entscheidungen. Sie entscheiden sich – egal ob richtig oder falsch – permanent. Und werden so zu Umsetzern. Zu Machern. Wie Kinder eben.

If you don’t go – you don’t know

Laut einer Studie der New York University macht ein Kleinkind am Tag um die 14.000 Schritte. Und fällt dabei etwa 100 Mal auf den Hosenboden.

Kinder brauchen keine Formel für ihren Alltag. Sie bauen die Playmobil-Burg ohne Bauanleitung. Sie googeln keine Rezensionen. Um die Sicherheit des Hochseilgartens zu überprüfen. Sie vertrauen sich und der Welt. Das Erfolgsrezept von Kindern heißt: learning by failing. Oder was heiße Herdplatten angeht: learning by burning.

 

„Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, hat nie etwas Neues ausprobiert.“

Albert Einstein

 

Also wenn du drüber nachdenkst, ob dir der Kurzhaarschnitt wirklich steht. Probiers aus! Wenn du zweifelst, ob du eine Weltreise machen sollst. Setz dich ans Steuer! Wenn du nicht wirklich happy im Job bist. Starte was Neues! Auf die Plätze, fertig, Los! Vertraue in dich!

Was steht auf deiner persönlichen Bucket-List? Welche Projekte willst du in deinem Leben angehen, zögerst aber bis jetzt? Notiere sie. Mach sie sichtbar. Schreib sie ans schwarze Brett. Eines der kraftvollsten Gefühle ist es, wenn du hinterher sagen kannst: „Yes, ich hab‘s einfach gemacht!“ Und wenn dich dieser Beitrag inspiriert hat, dann teile ihn gerne oder hinterlasse mir einen Kommentar!

Bei allen deinen Vorhaben wünsche ich dir kindliche Unbekümmertheit und Urvertrauen in deine innere Stärke! Es ist dein Leben. Mach’s einfach!

 

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Samuel

Autoren-Steckbrief:

Samuel ist Fitnesscoach, Kindskopf und Blogger. In seinem persönlichen Blog footprints schreibt er über Persönlichkeitsentwicklung, seine Sporterfahrungen und teilt Gedanken, die ihn beschäftigen.

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